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Eine Jahrzehnte alte Weisheit unter EDV-Verantwortlichen lautet ,,Nobody ever
got fired for choosing IBM.`` Soll heißen: Empfiehl Deinem Chef
irgendwelchen überteuerten, unzuverlässigen und unhandlichen Schrott, und er
wird mit Wonne Millionenbeträge hinblättern, solange auf dem Schrott der
Name der Firma steht, die schon Deinen Vorgänger in die Kündigung getrieben
hat. Aber empfiehl ihm ein neues, innovatives, zukunftsträchtiges und meist
noch erheblich billigeres Produkt, und er wird Dich in Zukunft für alles, was
auf diesem Planeten passiert, persönlich verantwortlich machen, egal ob es
sich um die Frisur der Sekretärin oder die richtige Konsistenz seines
Stuhlgangs handelt. Etwa so ist es mit Linux.
- Unter Windows nimmt jeder gelassen Programmabstürze, Systemneustarts,
Datenverluste, misslungene Installationen und verpfuschte Userinterfaces
hin. Aber wenn unter Linux mal irgendwas nicht ganz perfekt läuft, renken
alle sich fast den Unterkiefer aus, wie unglaublich schlecht doch das System
ist.
- Unter Windows wurde den Leuten beigebracht, ein wahrhaft professionelles
Betriebssystem zeichne sich dadurch aus, dass es animierte Mauszeiger und
lustige Tönchen bietet, wenn man ein Pull-Down-Menu aufklappt. Programme,
die ihr Augenmerk eher darauf legen, die Arbeitsgeschwindigkeit zu erhöhen
und den Aufwand zu erniedrigen, werden von ihnen mit äußerstem Misstrauen
beäugt.
- Hoch bezahlte Akademiker mit erstklassigen Abschlüssen und ebensolchen
Gehältern sind intellektuell völlig überfordert, wenn das Druckericon auf
einmal hellblau statt grau ist und sich -- anders als bei Word -- zwei
Zentimeter weiter links befindet. In der Medizin kennt man diese Form
geistiger Behinderung auch als Autismus.
- Die gleichen Akademiker, die während ihrer Ausbildung imstande sein
mussten, große Textmengen innerhalb kürzester Zeit zu lesen und zu
verstehen, sehen es nach Ende ihrer Ausbildung als unter ihrer Würde an,
ein Programmhandbuch auch nur auszupacken. In der Regel ignorieren sie sogar
in großen blinkenden Buchstaben auf dem Bildschirm stehende
Hinweise. Selbst die Kausalzusammenhänge zwischen den Tastendrücken einer
Computertastatur und dem Erscheinen von Buchstaben auf dem Bildschirm
sind ihnen nur in Ausnahmefällen geläufig.
Wer also nicht dafür verantwortlich sein will, wenn durch Linux das Klo
verstopft ist oder Linux mal wieder den PC-Lüfter zerstört hat, wer
keine Lust hat, seinem Umfeld auseinander zu setzen, dass Computermonitore
nicht Systemabstürze hervorrufen und Computerviren in der Regel nicht durch
Drucken von Texten übertragen werden, der lässt Windows anschaffen. Der
Sache ist damit zwar nicht gedient, aber dem eigenen Nervenkostüm.
Abbildung 13:
http://www.nichtlustig.de/html/010326.html
![\includegraphics[width=13cm]{PinguinSchuld.ps}](img27.png) |
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Jochim Rolf Selzer
2003-03-14