Freie Software wird auch nicht fehlerfrei auf den Markt geworfen. Allerdings haben deren Programmierer noch so etwas wie einen Berufsethos und reagieren auf die Bug-Reports der Benutzer. Bevor sich der Programmautor zur Implementierung neuer Funktionen entschließt, beseitigt er erst einmal die Fehler der alten. Da bei freier Software dessen Quellcode mit veröffentlicht wird und dessen Veränderung ausdrücklich gestattet ist, liegt die Entwicklung eines Programms auch nicht in der Hand einer eng umrissenen Gruppe, sondern jeder, der sich berufen fühlt, kann ihm auffallende Fehler sofort beseitigen und die Änderungen dem Programmautor melden. Dadurch ergeben sich extrem kurze Entwicklungszyklen. Ein Beispiel:
Im Frühjahr 1998 wurde ein schwerer Designfehler im Pentium-Prozessor entdeckt. Dieser Fehler ermöglichte es jedem Benutzer, mit einigen wenigen Assembler-Befehlen seine eigene Maschine sofort und unwiderruflich anzuhalten. Nun stellt unkontrolliertes Anhalten unter allen modernen Betriebssystemen ein ernsthaftes Stabilitätsproblem dar. Für Mehrbenutzer-Plattformen ist es aber nicht nur ein Problem, sondern schlicht unannehmbar, dass jeder Benutzer, der eigene Programme ausführen darf, einen vollbesetzten Server mit 200 eingeloggten Personen abstürzen lassen kann.
Unmittelbar nach Bekanntwerden des ,,F00F-Bugs`` setzte auf allen Plattformen hektische Betriebsamkeit ein. Die Linux-Gemeinde schaffte es innerhalb von 72 Stunden, den Fehler zu analysieren, dokumentieren, sowie einen neuen Systemkern anzubieten, der ohne nennenswerten Performanceverlust diesen Fehler abfing. Die Windows-Welt musste über eine Woche warten, bis für sie ein Patch erhältlich war.
Für nähere Informationen über freie Software siehe auch [Inc99].