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Raubkopieren ist ein Verbrechen, kein Kavaliersdelikt. Komischerweise sind sich
die wenigsten Computerbesitzer dessen bewusst, einige sind sogar stolz
darauf. Auf beinahe allen Computern, sei es
nun der heimische PC für Textverarbeitung, sei es die CAD-Workstation im
Großkonzern, tummeln sich raubkopierte Programme. Für den Privatanwender,
dem die 419 Euro für die Textverarbeitung zu teuer sind, kann man noch
halbwegs Verständnis haben. Wenn sich neben Teenager-PCs die raubkopierten
Spiele-CDs gleich dutzendweise stapeln, oder die millionenschwere Firma die
Software, mit der sie ihre Umsätze erzielt, schlicht stiehlt, ist die Grenze
klar überschritten. Besonders merkwürdig wird es, wenn ein Großkonzern
wie die Kirche einerseits ,,Du sollst nicht stehlen`` predigt und gleichzeitig
bedenkenlos Raubkopien einsetzt. Keine Austrittszahl, keine Finanzkrise
rechtfertigt ein solches Vorgehen.
Davon abgesehen sollte das Risiko einer Entdeckung nicht unterschätzt
werden. Von den erwartungsgemäß nicht wenigen Besuchern eines
Internet-Cafés muss nur einer Microsoft einen Tipp geben. Und um
anderslautenden Gerüchten vorzubeugen: Microsoft geht Hinweisen nach
-- mit allen
Konsequenzen, egal, ob sie dabei einen Großdealer oder einen 14-jährigen
Schüler erwischen. Die Begegnung mit Abmahnanwälten,
Unterlassungserklärungen und deutschen Gerichten wird von den Betroffenen als
nur eingeschränkt komisch beschrieben.
Eine Alternative zum Raubkopieren ist Linux. Das gesamte System darf
frei
kopiert und auf beliebig vielen Maschinen gleichzeitig installiert werden,
ohne dass dafür jedes Mal eine neue Lizenz erworben werden muss. Die einzigen
Kosten, die in der Regel entstehen, sind die Kosten für einen Satz
Installations-CDs, die aber gerade einmal den Aufwand für die Ersteller der
jeweiligen Distribution29 decken30. Der
Umfang einer Distribution geht dabei weit über das pure Installieren
des Betriebssystems hinaus. Zum Lieferumfang einer normalen
Distribution gehören heute
- Browser wie Mozilla/Netscape oder Lynx
- Office-Programme wie OpenOffice/StarOffice oder KOffice
- Textverarbeitungen wie WordPerfect oder LyX
- Email-Clients wie mailx, pine und elm
- GIMP, das zur Zeit mächtigste Bildbearbeitungssystem auf dem
Heimanwendermarkt.
- das Verschlüsselungsprogramm PGP oder sein freies Pendant GPG
- Der Webserver Apache
- diverse Spiele
- Internet-Tools wie ssh, telnet, rlogin, ping, traceroute, nmap und ftp
- das Textsatzsystem TEX bzw. LATEX, das alle
bisherigen Textverarbeitungen an Ausgabequalität schlägt und unter anderem
von Addison-Wesley und dem Springer-Verlag bei der Herstellung ihrer
Bücher verwendet wird. Auch dieses Papier wurde mit LATEX erstellt31.
- unter anderem die Scriptsprachen perl, sed und awk sowie die
Programmiersprachen C, C++, Fortran und Pascal
Freie Software heißt insbesondere auch, dass die Entwicklung dieser Programme
von Leuten vorgenommen wird, die sie auch benutzen. Die Anwender legen
selber Hand an und warten nicht darauf, dass in Redmond ein selbsternannter
Visionär eine Erleuchtung hat. Wessen Programme sind wohl mehr an die
Bedürfnisse ihrer Benutzer angepasst?
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Jochim Rolf Selzer
2003-03-14