Aber auch in größeren Firmen wird Software oft unter haarsträubenden Bedingungen geschrieben. Da kommen Chefs jede Woche auf eine neue Idee, welche Sache unbedingt noch in das Programm eingebaut werden muss und bewerben sogar ihr Produkt mit dieser Eigenschaft, ohne dass auch nur eine Zeile Code in diese Richtung geschrieben wurde. Da wird für viel Geld ein laienhaft zusammengestrickter Code eingekauft, der aussieht, als sei er von einer Horde betrunkener Schimpansen in die Tastatur gehackt worden, und dann von den Angestellten erwartet, sie würden dieses fehlerdurchsetzte Gebilde innerhalb kürzester Zeit in ein verkaufbares Produkt verwandeln. Unter enormem Zeitdruck werden alle Regeln der systematischen Programmierung mit Füßen getreten. Da wundert es niemanden mit Ausnahme des Firmenchefs selbst, wenn das Programm nach einiger Zeit unwartbar geworden ist. Im Rausch, ein Programm lieber mit neuen bunten Gimmicks auszustatten als endlich einmal die Fehler der Vorgängerversion zu beseitigen, wird bewusst sogenannte ,,Bananensoftware`` auf den Markt geschleudert und dann geduldig die Anrufe mit den Fehlermeldungen abgewartet.
Die ,,Featureitis`` hat noch einen weiteren Nebeneffekt: Mit jeder Erweiterung des Funktionsumfangs vergrößert sich automatisch das Risiko, sich eine weitere Sicherheitslücke einzufangen. Wer an sein Auto einen Anhänger kuppelt, muss damit rechnen, dass dort auch einmal die Rücklichter versagen, die Reifen platt sind oder die Bremse nicht funktioniert. Wer meint, sein Email-Programm müsse angehängte Dateien unbedingt automatisch auspacken und unter Systemverwalterprivilegien starten, darf Microsoft nicht die Schuld geben, wenn da auch ein Programm ankommt, das die Platte formatiert.
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