next up previous contents index
Nächste Seite: Was ist es nicht? Aufwärts: Viren Vorherige Seite: Viren   Inhalt   Index

Was ist ein Virus?

Der spektakulärste Virenbefall des Jahres 2000 war streng genommen keiner, sondern ein Wurm-Befall, aber das soll niemanden irritieren. Innerhalb weniger Stunden legte am 4. Mai 2000 ab etwa 11.30 MESZ ein kleines in Visual Basic geschriebenes und als Anhang an eine Email verschicktes Programm weite Teile des Internets lahm. Auf den befallenen Rechnern verschickte der Wurm an alle im Adressbuch des Besitzers stehenden Adressen eine Email mit dem gefährlichen Anhang, überschrieb Dateien und veränderte Systemeinstellungen. Selbst Microsoft war betroffen. Zeitungsredaktionen waren nicht mehr per Email erreichbar, verloren ihre im Computer gespeicherten Bilddateien und erschienen bisweilen nur in Notausgaben. Was war schuld? Eine scheinbar harmlose Nachlässigkeit der Einstellungen im Email-Programm Outlook, die Dateianhänge automatisch ausführen lässt. Ohne diese Einstellung wäre der Wurm nichts weiter als ein paar Zeilen Code. Mit ihr wurde er zum Amok-Läufer.

Zur Netzbelastung durch verrückt spielende Email-Accounts kam auch noch die Flut der hastig per -- natürlich per Email -- verschickten Viren-Warnungen (siehe hierzu auch [*]). Wessen Rechner nicht von ,,ILOVEYOU``-Mails überschüttet wurde, durfte sich mit Warn-Mails von oft zweifelhafter Aussagekraft herumplagen.

Die Ähnlichkeit von biologischen und elektronischen Viren ist verblüffend: In beiden Fällen handelt es sich um Objekte, die allein nicht lebensfähig sind und einen Wirt brauchen, dessen Funktionen sie zu ihrer eigenen Vervielfältigung nutzen. Sowohl Lebewesen als auch Computer verfügen über Schutzmechanismen, die einen Virus anhand einiger spezifischer Merkmale erkennen und beseitigen können. Beide Systeme haben aber zwangsläufig Lücken, die neuen Virentypen das Eindringen ermöglichen.

Nach dieser Gegenüberstellung dürfte grob klar sein, worum es sich bei Computerviren handelt: Kleine Programme, die sich im System einnisten, sich nach Möglichkeit via Modem oder Diskettentausch verbreiten und in der Regel nach einer bestimmten Zeit Schaden anrichten. Das Problem bei Computerviren besteht nicht nur in ihrer Existenz, sondern auch in der Einschätzung ihrer Gefährlichkeit.

Zur Zeit existieren einige tausend verschiedene Computerviren. Monatlich kommt eine Handvoll dazu. In der Praxis hat man es allerdings ,,nur`` mit etwa dreißig verschiedenen zu tun. Was schlimm genug ist. Wer allerdings einige grundsätzliche Vorsichtsmaßnahmen einhält, kann die Gefahr eines Virenbefalls weitgehend einschränken oder zumindest den entstehenden Schaden überschaubar halten. Sinnvoll sind aber weder Blauäugigkeit (,,och, mir wird schon nichts passieren``) noch paranoides Aufschreien, wenn man mal wieder nicht mit seiner Textverarbeitung klarkommt. Zur Zeit richtet die Unfähigkeit einiger Computerbesitzer, auch nur einen flüchtigen Blick in ihr Handbuch zu werfen, noch weit mehr Schaden an, als sämtliche Viren der Welt je könnten[Spi95].


next up previous contents index
Nächste Seite: Was ist es nicht? Aufwärts: Viren Vorherige Seite: Viren   Inhalt   Index
Jochim Rolf Selzer 2003-03-14