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Geschichtliches
Technisch gesehen ist das Internet nicht mehr als ein Kommunikationskonzept
für Computer1. Über das
Entstehungsjahr 1968 herrscht Einigkeit, über die Motive jedoch
nicht. Die beliebteste Version, man habe ein Computernetz schaffen
wollen, das selbst bei Vernichtung einzelner Knoten durch einen
Atomschlag weiter funktioniere, liest sich gut -- die
Vorstellung, wie ein paar kurzgeschorene Säbelrassler
aus dem Pentagon mit einer Horde bekiffter Berkeley-Hacker zusammen
arbeiten, ist einfach amüsant. Allerdings ist diese Geschichte
umstritten. Bob Taylor, einer der Väter des
Internet, weist nachdrücklich darauf hin, dass es beim Projekt
Arpanet ohne jeden militärischen Hintergedanken um die Vernetzung
wissenschaftlicher Rechner ging. Paul Baran hingegen,
, ein weiterer Vater des Internet, verfolgte sehr wohl
militärische Ziele2. Wie dem auch sei --
man wollte Computer ausfallsicher vernetzen. Also ersann man sich eine
dezentrale Struktur. Statt einen
Hauptrechner alles koordinieren zu lassen, überließ man es den einzelnen
Computern weitgehend selbst, ihre Daten untereinander auszutauschen und
prägte dem entstehenden Gebilde nur eine sehr grobe Struktur auf. Da in
Amerika (fast) alles, was von öffentlichen Geldern finanziert wird, auch der
Öffentlichkeit frei zur Verfügung stehen soll, öffnete sich im Jahr
1972 dieses Netz auch Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Schon schnell
erfreute sich das sich damals noch ARPAnet
nennende Gebilde großer Beliebtheit. Da sich aber die Interessen langhaariger
Berkeley-Studenten nicht mit der für Militärs typischen Paranoia
vereinbaren ließen, spaltete sich das Netz 1983 in einen militärischen
und einen zivlilen Teil -- MILnet und Internet3.
Bis weit in die 80-er Jahre hinein blieb das Internet fast vollständig auf den
akademischen Bereich beschränkt. Seine Hauptaufgabe bestand in der
Übermittlung wissenschaftlicher Daten. Vom heutigen grafisch sehr
aufwendigen Erscheinungsbild des Netzes war man noch weit entfernt. Nur
langsam begann sich das Netz kommerziellen Anbietern zu öffnen. Von diesen
Entwicklungen bekam man allerdings in Deutschland nur sehr wenig mit. Dies lag
einerseits an der rigiden Haltung des damaligen Kommunikationsmonopolinhabers
Bundespost, andererseits an der nicht minder konservativen Politik der
Hochschulrechenzentren, die kostbare Rechenkapazitäten nur sehr sparsam und
gegen Nachweis eines konkreten Forschungsvorhabens preisgaben. Erst gegen
Mitte der 90er Jahre wurde Studenten im Rahmen eines bundesweiten
Pilotprojektes allgemein der Zugang zum Internet
ermöglicht4. Zeitgleich
drängten die inzwischen zahlreicher gewordenen kommerziellen Internetanbieter
auf den deutschen Markt. Das Internet in seiner heute bekannten Form entstand.
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Jochim Rolf Selzer
2003-03-14