Als erstes Beispiel sei hier die auch in ,,weltlicher`` Presse zitierte ,,Online-Beichte`` genannt. Auf einer Webseite war es möglich, aus einem Sündenkatalog die für den Beichtenden in Frage kommenden Vergehen auszuwählen, worauf der Computer brav die Zahl der zu betenden Rosenkränze ausspuckte. Ein wenig erinnert dies an das in [Wei78] beschriebene ,,Eliza``-Programm, das ein Gespräch mit einem Psychiater nachahmen sollte. Das Programm war allerdings ohne jedes psychiatrische Wissen programmiert worden, sondern reagierte nur auf bestimmte Schlüsselworte. Genauso wie sich bei ,,Eliza`` die Frage stellte, ob das Gespräch mit dem Programm einer echten psychotherapeutischen Sitzung nahe käme, kann man sich bei der ,,Online-Beichte`` fragen, ob diese eine echte Beichte ersetzen kann. Eine ausführliche Diskussion dieses Themas würde den Rahmen dieses Papiers sprengen. Der Vatikan hat sich allerdings zwischenzeitlich eindeutig zu dieser Frage geäußert und lehnt Online-Beichten ab[dwi01]. Davon unabhängig sei hier zum Warmwerden auf [Sch99d] verwiesen.
Eine weitere Frage, mit die sich der Theologie stellt, ist die der Gültigkeit von Internet-Gottesdiensten, die in [Sch99d] ebenfalls diskutiert wird. Ist schon bei Radio- und Fernsehgottesdiensten keineswegs klar, inwiefern vor den Empfangsgeräten eine Gemeinde zusammenkommt, wird die Frage bei Online-Gottesdiensten noch extremer. Was macht eine Gemeinde aus? Ist es das Zusammenkommen an einem Ort? Dann wären bereits Rundfunkgottesdienste nicht mehr vollwertig. Ist es die Verbindlichkeit, die Tatsache, nicht einfach den Gottesdienst verlassen zu können? Sender- oder Sitewechsel sind bei Rundfunk- und Internetgottesdiensten kein Problem. Ist es das gleichzeitige Versammeln? Dann wäre ein aufgezeichneter Gottesdienst in gewisser Hinsicht ,,wertlos``. Ist es das interaktive Element, die körperliche Empfindung, mit anderen Menschen in einer Bank zu sitzen, der Blick des Liturgen in die Augen der Gemeinde und deren Reaktion durch Gesten? In diesem Sinne wäre ein Internet-Gottesdienst sogar ,,realer`` als ein Rundfunkgottesdienst, weil das Internet im Gegensatz zum Rundfunk den Teilnehmern die Möglichkeit bietet, Rückmeldungen abzusetzen.
Das Hauptproblem scheint hier darin zu bestehen, dass eine traditionell seit Jahrtausenden gefestigte liturgische Form auf Medien zu übertragen versucht wird, die vom Wesen her dieser Form nicht gerecht werden. Im Rundfunk hat man dieser Tatsache ansatzweise Rechnung getragen, indem man clipartige Kurzandachten wie ,,Moment mal`` auf dem NDR ausstrahlt15. Für das Internet fehlt bislang eine entsprechende Form. Wenn die Kirche auf diesem Medium Fuß fassen will, muss sie sich die Frage beantworten, wie Liturgie auf dem Internet aussehen soll.
Die bislang wildeste Blüte trieb die evangelische Kirche bisher mit einem SMS-Gottesdienst[wst01]. Spätestens hier sollten sich einige Pastoren die Frage stellen, wie ernst eine Kirche genommen werden soll, die völlig planlos und unreflektiert jeder vermeintlichen Mode hinterherrennt. Natürlich wollen Gläubige eine Einladung in ihrem jeweiligen Lebensumfeld. Ob diese Einladung von einer Institution kommen muss, die alles mitmacht, wenn nur die Bezahlung stimmt, ist fraglich.