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Robert X. Cringely: Accidental Empires

Wer als halbwegs nüchterner Beobachter die Computer-Entwicklung der letzten Jahre beobachtete, konnte sich häufig des Eindrucks nicht erwehren, dass viele Leute in diesem Geschäft...sagen wir...die Welt aus einer sehr individuellen Perspektive wahrnehmen. Da herrscht ein Wirbel, als wenn die Wiederkunft des Messias bevorstünde, aber in Wirklichkeit gibt es gerade einmal eine neue Windows-Version. Kommt ein neuer Prozessor heraus, setzt sich jedes Mal die Karavane gläubiger PC-Käufer in Richtung Laden in Bewegung, nur um festzustellen, dass rein gar nichts schneller wurde -- außer vielleicht die Abstürze. Doch das kümmert niemanden. Die Lichtgestalten der PC-Industrie genießen göttergleiche Verehrung. Wenn sich William H. Gates III ein paar Zeilen aus den Fingern saugt, wie er sich die Zukunft vorstellt, ist dies die moderne Form einer päpstlichen Enzyklika. Cringely wiederum behauptet im wesentlichen dies:

  1. Die Heroen der PC-Geschichte sind nicht dumm. Bisweilen sind sie sogar genial. Sie sind aber bei weitem nicht so brilliant, wie sie der Welt glauben machen wollen.
  2. In menschlicher Hinsicht sind die meisten von ihnen sogar völlige Versager.
  3. Von Wirtschaft haben sie auch keinen Dunst.
  4. Das hindert sie aber nicht daran, unglaublich viel Geld zu machen.
  5. Aber das ist eigentlich reiner Zufall.

Cringely stützt diese Thesen, indem er die Geschichte des Computers noch einmal erzählt -- diesmal aber mit den Fußnoten, die in den Hochglanzprospekten in der Regel ausgelassen werden. Er berichtet, wie ein eifriger Lagerarbeiter Intel beinahe in den Ruin getrieben hat, wie Gary Kildall das erste Mikrocomputer-Betriebssystem schrieb, weil er zu faul zum Autofahren war und wie IBM in einer Panikreaktion innerhalb eines Jahres den PC erfand. Am Ende sieht man einige Heldenepen etwas gelassener.

Nebenbei dürfte dieses 1992 erschienene Werk eines der ersten sein, das auf den später so genannten ``Y2k-Bug'' hinweist. Wir erinnern uns: Die große Panik brach irgendwann zwischen 1998 und 1999 los. Bekannt war das Problem zu diesem Zeitpunkt seit mindestens 6 Jahren.

Das Buch erscheint unter ISBN 0-201-57032-7 bei Addison-Wesley.


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Jochim Rolf Selzer 2002-01-04