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Linus Torvalds und David Diamond: Just for fun

Der Große L schreibt seine Autobiografie, und die Open Source Gemeinde hält den Atem an. Was wird herauskommen? Die Lebensbeichte? Die Abrechnung mit Bill Gates? Erschütternde Einblicke in das Leben eines Genies?

Nichts dergleichen. Was herauskommt, ist im besten Sinne des Wortes ernüchternd. Torwalds schreibt die Geschichte um die Entwicklung von Linux, wie sie in der Sache übereinstimmend schon zu genüge beschrieben wurde, aber eben auf seine Sicht.

Und diese Sicht ist die eines nüchternen Pragmatikers, der sich erfolgreich bemüht, bei all dem Rummel die Beine auf dem Boden zu behalten. Er weiß, dass er ein großartiger Computerspezialist ist, aber er schreibt darüber wie andere über ihre Haarfarbe. Falsche Bescheidenheit ist ihm ebenso fremd wie sturer Dogmatismus. Anstatt etwas von der Last des schnöden Mammons, der praktisch über Nacht über ihn hereinbrach, zu fabulieren, gibt er unumwunden zu, dass er gerne reich ist -- solange er sich für diesen Reichtum nicht verkaufen muss. Open Source ist für ihn kein Wert für sich, sondern einfach eine praktische Art, Software zu entwickeln. Seine Rolle als Star der Computerwelt gefällt ihm, auch hieraus macht er kein Geheimnis. Aber auch hier überwiegt die praktische Einstellung, hunderte von Emails, Faxen und Telefonnachrichten schlicht zu ignorieren, weil es zu viel ist.

Vor allem beantwortet das Buch die Frage, warum Torwalds die ganze Arbeit auf sich nahm: Nicht für irgendwelche hehren Ziele, aber eben auch nicht, um damit schnell reich zu werden, sondern einfach aus Spaß. Er wollte der Welt nicht ein groärtiges Stück Software schenken, sondern schlicht etwas machen, was ihn interessiert. Torwalds entwickelt um diesen Gedanken noch eine kleine Philosophie, die insgesamt etwas aufgesetzt und in sich nicht besonders konsistent wirkt; vielleicht die einzige etwas schwache Stelle des Buches.

Für diejenigen, die in Torwalds einen Heiligen sehen, einen Messias, der das Volk der Computeranwender aus der Knechtschaft von Redmond in die Freiheit führt, eine Lichtfigur, jeder materiellen Versuchung abhold, ist das Buch eine Enttäuschung. Für alle anderen bleibt das beruhigende Gefühl, dass der Erfinder von Linux kein abgehobener Ideologe, sondern ein nüchterner, sachbezogener Denker ist. In den Händen dieses Menschen ist Linux gut aufgehoben.

Das Buch erscheint unter ISBN 3-446-21684-7 bei hanser.


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Jochim Rolf Selzer 2002-01-04